Studio31

Die Arciorgano-Klaviatur: Umfang und Teilung

Zur Tasten-Anordnung und der genauen Geometrie der Tasten wurden bereits zwei Modelle angefertigt. Das erlaubte es uns, die Gestaltung der Klaviatur zu optimieren und die Greifbarkeit möglichst flexibel zu machen. Das erste Modell ist hier dokumentiert, das zweite hier. UnabhĂ€ngig von diesen Überlegungen und Optimierungen muss entschieden werden, welchen Umfang die Klaviatur haben soll.

Die wichtigsten Aspekte, die bei dieser Entscheidung eine Rolle spielen, sind folgende.

  1. Welcher Umfang ist musikalisch sinnvoll?
  2. Welche Auskunft geben historische Quellen?
  3. Was ist instrumentenbaulich sinnvoll bzw. realistisch?
  4. Welche Auswirkungen hat der Umfang auf die Transportierbarkeit des Instruments?

Der erste Aspekt kann aus der Perspektive des historisch informierten Spielers betrachtet werden: die meisten chromatisch-enharmonischen Madrigale((Der grösste Teil des Repertoires, das wahrscheinlich auf Instrumenten wie dem Arciorgano ausgefĂŒhrt wurde, waren solche Madrigale. Dazu gehören Komponisten wie Vicentino, Luzzaschi, Gesualdo, Lacorcia, D'India, M. Rossi, Mazzocchi, und viele weitere.)) haben in der untersten Oktave eher selten exotische Noten wie des, dis oder ges, aber sie sind gelegentlich anzutreffen. Enharmonische Noten sind unterhalb des tiefen F wohl zu vernachlĂ€ssigen. Das heisst, eine kurze gebrochene Oktave((mit C, D, E, F, Fis, G, Gis, A, Ais, B, H, His, c, ...)) könnte zur Not genĂŒgen, eine vollstĂ€ndig chromatische Oktave((C, Cis, Des, D, Dis, Es, E, Eis, F, ...)) wĂ€re jedoch wĂŒnschenswert.

Aus der Perspektive eines Komponisten ist es natĂŒrlich wĂŒnschenswert, eine möglichst feine Teilung möglichst ĂŒberall auf der Klaviatur zur VerfĂŒgung zu haben. Gerade im tiefsten Bereich der Klaviatur könnten Mikro-Cluster interessante Schwebungs-Effekte anbieten. Allerdings stellt sich da die Frage, inwieweit so tiefe Holzpfeifen Unterschiede von weniger als FĂŒnfteltönen noch sinnvoll wiedergeben können. Orgelpfeifen tendieren dazu, sich gegenseitig in der Intonation anzuziehen, d.h. unter UmstĂ€nden sind gewisse Kleinst-Intervalle gar nicht mehr darstellbar.

Der zweite Punkt lĂ€sst sich primĂ€r mit dem Flugblatt von 1561 beantworten. Es gibt zwar keine explizite Auskunft ĂŒber den Umfang der Klaviatur, jedoch findet man folgenden Hinweis: "Die lĂ€ngste Pfeife misst sieben Fuss, aber damit es [das Instrument] bequem transportiert werden kann, sind die sieben grössten Pfeifen von oben nach unten gebogen worden, so dass die lĂ€ngste Pfeife in der vorderen Frontseite nur fĂŒnf Fuss lang erscheint.". PrimĂ€r ist dies ein Hinweis, dass das Instrument eine 8-Fuss-Basis hat, und nicht etwa ein 6-Fuss- oder 4-Fuss-Instrument ist. Zudem gibt es die wertvolle Information, dass die Pfeife Nr. 8 mit grösster Wahrscheinlichkeit kleiner als fĂŒnf Fuss war. WĂ€re sie lĂ€nger als fĂŒnf Fuss, mĂŒssten mehr als die sieben tiefsten Pfeifen gekröpft werden, um eine sinnvolle Pfeifen-Anordnung zu erhalten. WĂŒrde das enharmonische System (mit 36 Stufen pro Oktave) ab dem tiefen C angewendet, wĂ€re die Pfeife Nr. 8 jedoch deutlich lĂ€nger als fĂŒnf Fuss. Auf diese LĂ€nge kommt man relativ genau, wenn man nur Pfeifen des unteren Manuals baut. Es wĂ€re also naheliegend, das enharmonische System erst ab dem tiefen F vollstĂ€ndig auszubauen, und darunter nur das chromatische System mit 19 Tasten pro Oktave anzuwenden.

Der dritte Punkt kann mit einem einfachen Grundsatz behandelt werden: je weniger Bass-Pfeifen desto besser. Die tiefen Pfeifen benötigen sehr viel Material und sind dadurch teuer. Ausserdem sind sie schwer und konsumieren viel Wind, was die Dimensionierung des ganzen Instruments schwerfÀlliger werden lÀsst. Eine normale kurze Oktave wÀre deshalb die einfachste Lösung.

Der vierte Punkt ist fĂŒr unser Vorhaben von grosser Bedeutung. Die tiefste Pfeife ist rund 2.10m lang, einige kg schwer und relativ sperrig zu transportieren. Es ist also wĂŒnschenswert, die Anzahl der Pfeifen dieser Grössenordnung so weit wie möglich zu reduzieren.

Darstellung der Arciorgano-Klaviatur mit nummerierten Tasten

Wir haben uns schliesslich dazu entschieden, das untere Manual von C-c''' durchgehend mit 19 Tasten pro Oktave auszubauen, das obere Manual jedoch erst beim tiefen F beginnen zu lassen, um es dann mit 17 Tasten pro Oktave bis zum c''' auszubauen. Das ergibt 138 Tasten insgesamt.

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